Mit viel Musik des Chors «musiclight» und gleich zwei Predigten fand in Rüderswil das oberemmentalische Bezirksfest statt. Im Anschluss wurden die Besucher mit einem Apéro riche verwöhnt.
«Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land». Mit diesem berühmten Liedtext von Matthias Claudius begrüsste Pfarrerin Renate Beyeler die Besucher, die sich zahlreich an diesem schönen Herbstmorgen in Rüderswil einfanden. Marianne Zaugg, die Präsidentin des Kirchengemeinderates, betonte die Bedeutung des Bezirksfestes, es sei mehr als ein Zusammentreffen, sagte sie. Am Bezirksfest würden auch Ideen gesammelt für die Zukunft der Kirche in der Region und darüber hinaus! «Jede Stimme klingt anders», sagte die Bezirkspräsidentin Ursula Hadorn und ergänzte: «Doch der Glaube verbindet und verschiedene Stimmen vereinen sich im Glauben.»
Leider wurde der Gottesdienst von keinem Mitglied des Berner Synodalrates besucht! Deshalb richtete Renate Beyeler auch einige kirchenpolitische Worte an die Zuhörenden: Im Bezirk gäbe es aktuell 22 Pfarrpersonen, sieben davon würden jedoch bald in Rente gehen, und es sei zunehmend schwierig, diese Stellen wieder zu besetzen. Deshalb müsse über neue Formen der Zusammenarbeit der Kirchgemeinden nachgedacht werden. Die Pfarrerin nannte als Beispiel den Synodalraum in der katholischen Kirche, bei dem mehrere Gemeinden zu einer grösseren Einheit zusammengefasst werden. Kein Problem mit dem Finden neuer Mitglieder hat hingegen der Chor «musiclight!» Der grosse Chor erfreute die Zuhörer mit einem kompakten, kräftigen Chorklang und mit Melodien, die zur Feier passten.
Die Heilung eines Gelähmten aus dem 2. Kapitel des Markusevangeliums legte Renate Beyeler in ihrer Predigt traditionell aus. Sie wies auf einen wichtigen Punkt hin: Alle bleiben stumm. Bis Jesus das Wort ergreift und den Gelähmten heilt. Jesus hat den Wunsch des Mannes erkannt, ohne dass dieser etwas sagte. Und so, wie Jesus dem Gelähmten entgegenkam, so kommt Gott jedem Menschen entgegen. «Gott kann lösen, was lähmt und den Menschen frei machen», sagte die Pfarrerin, bevor sie eine andere Bibelstelle in einer modernen Weise auslegte: Im Tempel fragte Petrus einen Gelähmten nicht, was er sich wünschte. Er nahm seine Hand und richtete ihn auf! «Wie wäre es, wenn Petrus sich zuerst zu dem Mann gesetzt hätte, um das Gespräch mit ihm zu suchen?», fragte Renate Beyeler.
Sicherlich gab diese Frage noch Gesprächsstoff. Und Zeit dazu gab es genug beim anschliessenden Apero Riche, zu dem alle eingeladen waren. So konnte das Bezirksfest ausklingen und die Teilnehmer anschliessend in einen sonnigen Herbsttag entlassen.
Benjamin Stocker-Zaugg
